![]() Ein Bündel an Stars Oder: Ein Mann, viele Stars Oder: ? Sein Lebenselixier ist die Welt der Fantasie und des Glamours: Alex Fox imitiert Berühmtheiten und schöpft Sinn und Kraft aus den Stars, die er darstellt. Text: Andrea Keller Tina Turner, Bette Midler und Liza Minnelli – drei grosse Namen, drei grosse Damen des Showgeschäfts. Und es gibt einen Mann, der sie alle verbindet: Alex Pfister alias Alex Fox tritt seit Jahren als „Impersonator“ auf, als Double berühmter Stars der Musikgeschichte. Wobei sich die Kunst des Verwandlers längst nicht auf sein geliebtes Trio beschränkt. Insgesamt schlummern nicht weniger als 74 Berühmtheiten in seiner Brust, und alle wollen sie aufgeweckt und aufgeführt werden, an Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Firmenanlässen und anderen Events. Dass der Mittdreissiger bei den meisten seiner „Figuren“ zur Femme Fatale mutiert, also mit rasierten Beinen, falschen Wimpern, Silikon-Busen und Paillettenkleid auf der Bühne steht, erlaubt den Brückenschlag zur Travestie. Doch Fox distanziert sich klar: „Meine Auftritte sind nicht als Parodie gedacht, ich verkackeiere hier niemanden.“ Wie ernst er seine Imitationen nimmt, zeigen auch die peniblen Vorbereitungen des Künstlers. „Wenn ich mich mit einer neuen Figur auseinandersetze, verlangt das wahre Menschenstudie; ich versetze mich in die jeweilige Person, recherchiere, beschäftige mich mit deren Werdegang und Sein. Schliesslich ist es nicht damit getan, das Mäulchen schön synchron zu bewegen und mit dem Popo zu wackeln“, lacht er. Er lacht in hohen Tönen, dieser Alex, senkt dann die Stimme und fährt fort: „Ich versuche das Gesamtpacket Mensch in mir aufzunehmen und wiederzugeben“, sprich: auch das Leiden und Lieben der jeweiligen Stars, die Kraft der Emotionen. „Gerade Tina ist eine Figur, die sehr stark auf der Bühne lebt. Sie verlangt mir alles ab.“ Und genau das möchte Alex dem Publikum auch geben: nicht weniger als alles, wenn schon, dann mehr. Miss Turner war es übrigens auch, die Alex Pfister zu Alex Fox werden liess, die sein Leben also in neue Bahnen bzw. auf die Bühne lenkte. „Ich war noch ein Teenager, achtzehn Jahre alt, und arbeitete in der Reisebranche. Das nächste Firmenfest stand auf dem Programm, da überredeten mich jene Kollegen, die von meiner Tina-Manie wussten, als solche aufzutreten.“ Was die Mitarbeitenden wohl primär als Jux erachteten, ermöglichte es Alex, eine Metamorphose zu vollenden, die längst begonnen hatte. Es musste eine wahre Befreiung sein, beflügelnd, beklatscht und von den Zuschauern mit Begeisterung genossen. Denn was die staunende Truppe nicht ahnte, war: „Bereits als Kind habe ich heimlich im Kämmerlein geübt, Tina nachgeahmt, immer wieder“, gesteht er, und seine feinen Gesichtszüge verraten Freude am lange gehüteten Geheimnis. Niemand wusste davon, nicht mal seine Eltern. Doch der kleine Bub hatte den Star mit seiner Wirklichkeit verflochten. Hinter verschlossener Tür war eine Welt des Glamours und der Zuflucht zu finden, die er jederzeit betreten konnte, die ihm Kraft gab, ihn über schwierige Momente hinwegrettete. Und letztere waren zahlreich. Der Vater betäubte sich regelmässig mit Alkohol. Heute hat ihm Alex verziehen, doch damals sickerte die verheerende Sucht in jede Ritze des Lebens, vergiftete Heim und Umfeld der dreiköpfigen Familie. „Wir waren ständig gezwungen, den Ort zu wechseln, zogen von A nach B, dann weiter und weiter“, so Alex. Für ihn bedeutete das einen ständigen Freundeswechsel. Beständig blieben einzig Tina und weitere Stars, die dem Jungen insgeheim die Hand reichten, indem er ihnen nahe war, indem er eben sie war. Bis zum heutigen Tag zehrt Alex von den Berühmtheiten, die er darstellt. „Das Auftreten half mir schon über manches Unglück hinweg“, erklärt er und erzählt von einem seiner Schicksalsschläge: „Vor einiger Zeit wurde bei mir Prostatakrebs diagnostiziert. Ich habe lange gebraucht, um die Krankheit zu akzeptieren. Mittlerweile verstehe ich, dass sie zu mir gehört – doch ohne meine Kunst wäre ich vielleicht längst nicht mehr. Es ist fast so, als ob die Energie, die die Stars im Verlaufe ihres Lebens aufgebaut haben, in mir auflebt und mich atmen lässt.“ Die blauen Alex- Augen strahlen. Das tun sie auch, wenn Alex von weiteren Kraftquellen erzählt, seinen Freunden , die für ihn heute „Familie“ bedeuten, und vom „Schatzi“ Roman. „Roman ist mein Fels in der Brandung; er ist einer, der mit mir auf der rauen See des Lebens alle Stürme bekämpft.“ Alex kennt nicht nur die metaphorische See, ihm ist auch das tatsächliche Meer bestens bekannt. „Das Abenteuer begann damit, dass ich Celine Dion kennenlernte, nicht die echte, wohlgemerkt, aber eine Kellnerin, die der Sängerin verblüffend ähnlich sah. Wir wurden Partner, gründeten eine Unternehmung – und umsegelten fortan als „Guest Stars“ auf Kreuzfahrtschiffen die Trauminseln im Indischen Ozean.“ Goa, Sri Lanka, die Malediven, Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung sowie Gespräche über das Leben und den Tod auf dem Schiffsbug, das alles war prägend, inspirierte und berührte, war eine jede Reise wert. Es hätte noch lange so weitergehen können, wäre es nicht zum Bruch gekommen. „My Heart Will Go On“-Celine verliess ihn. Dem Künstler geblieben war der finanzielle Kollaps und die Fantasie, waren wiederum die Stars. Und das Wissen, dass er sich durchschlagen würde, irgendwie. Von der Kunst zu leben, gross rauszukommen, das wäre das wahre Ziel. Doch zwischenzeitlich hält sich der Tausendsassa mit mancherlei über Wasser: „In den vergangenen Jahren verkaufte ich Küchen, baute Pizza-Öfen und Fritteusen auseinander, wartete Computer, war ein tanzender Affe in Disneyland, arbeitete beim Circus. Derzeit verdiene ich meine Brötchen als Büroangestellter.“ Und nebenbei tüftelt er mit seinem Partner sowie Freunden und Bekannten am neuesten Projekt: der „Magic Tour“. „Sie soll das Publikum zum abheben bewegen, soll in eine andere Welt entführen, an einen magischen Ort, zu dem Sorgen und Probleme keinen Zutritt haben“, erklärt der Träumer. Denn darum geht es ihm im Grunde: Er möchte die Augen der Leute zum Leuchten bringen, sie glücklich machen und den einzelnen zeigen, dass weitaus mehr ihn ihnen steckt, als sie leben und sich zutrauen mögen. Text : Andrea Keller "Super Freundin" geschrieben für Surprise Magazin ![]() ![]() Infos über Alex Fox Infos über Alex Fox
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